Kristjáns Flotte ist wieder unterwegs

Es gibt Nachrichten, die sich anfühlen, als kämen sie aus einer anderen Zeit.

Die Rückkehr von Kristjáns Flotte gehört dazu.

In Island beginnt damit auch eine Debatte von Neuem, die eigentlich nie ganz verschwunden war.

Während Besucher aus aller Welt an Deck von Whale-Watching-Booten stehen und auf den ersten Blick auf einen Finnwal hoffen, bereiten sich andere Schiffe darauf vor, dieselben Tiere zu jagen.

Beides geschieht im selben Land.

Island wirbt mit seiner Natur. Mit Gletschern, Vulkanen, Wasserfällen – und mit Walen. Die Tiere gehören längst zum Bild des Landes. Für viele Reisende sind sie einer der Gründe überhaupt anzureisen.

Und dennoch wird weiterhin darüber diskutiert, ob ihre kommerzielle Jagd eine Zukunft haben sollte.

Befürworter verweisen auf Tradition.

Das ist nachvollziehbar. Traditionen gehören zur Geschichte eines Landes. Sie allein beantworten jedoch nicht die Frage, ob etwas auch in Zukunft Bestand haben sollte.

Der Walfang stammt aus einer Zeit, in der Wale vor allem als Ressource betrachtet wurden. Heute reisen Menschen um die halbe Welt, um sie lebend zu sehen. Wissenschaftler erforschen ihr Verhalten. Kinder lernen sie als faszinierende Bewohner der Ozeane kennen.

Die Wahrnehmung hat sich verändert.

Die Harpunen nicht.

Vielleicht erklärt genau das, warum die Debatte inzwischen so seltsam wirkt.

Nicht weil unterschiedliche Meinungen existieren. Das tun sie immer.

Sondern weil immer mehr Menschen Schwierigkeiten haben, nachzuvollziehen, weshalb ein Tier gleichzeitig Symbol unberührter Natur, Touristenmagnet und wirtschaftlich verwertbare Ressource sein soll.

Die eigentliche Frage lautet nicht, ob Kristjáns Flotte auslaufen kann.

Sondern warum in einem Land, das weltweit mit Walen wirbt, der Walfang noch immer verteidigt wird.


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