Ein neues Großaquarium für Berlin. Wie viel Artenschutz steckt dahinter?

Berlin bekommt einen Ozean. Das ist geografisch überraschend, aber offenbar eine Frage der Ausstattung.
An der Rummelsburger Bucht soll im Frühjahr 2027 das Großaquarium Ocean Berlin eröffnen. Rund 400 Tierarten sind angekündigt. Das größte Becken fasst 7,5 Millionen Liter Wasser. Der Betreiber nennt das auf seiner Website „7.500.000 Liter offenes Meer“.
Offen dürfte vor allem der Blick sein.
Nun muss man einem Aquarium nicht vorwerfen, dass es ein Aquarium ist. Becken, Scheiben, Wasser: Dafür wurde es gebaut. Nur scheint „Aquarium“ inzwischen etwas knapp zu sein für das, was man damit versprechen möchte.
Ocean Berlin nennt sich Meereserlebniszentrum und wirbt mit Bildung, Artenschutz und Forschung. Eine öffentlich zugängliche Korallenaufzuchtstation ist geplant. Der Betreiber verweist außerdem auf Erhaltungszucht und Nachzuchtprogramme. Das Tierwohl habe oberste Priorität, die Haltung orientiere sich an wissenschaftlichen Standards.
Korallenaufzucht kann einen Beitrag leisten, Bildungsangebote können Wissen vermitteln. Beides erklärt allerdings noch nicht, warum dafür auch wild lebende Fische umziehen sollen.
Nach Angaben von PETA hat der Betreiber in einem Antwortschreiben bestätigt, auch Wildfänge einsetzen zu wollen. Die Organisation berichtete darüber am 13. August 2026. Das Schreiben selbst liegt dieser Kolumne nicht vor; welche Arten und wie viele Tiere betroffen wären, geht aus der Mitteilung nicht hervor.
Da wären ein paar Auskünfte hilfreich. Welche Tiere werden der Natur entnommen? Wozu? Und woran lässt sich erkennen, dass ihre Ausstellung dem Schutz ihrer Art dient?
Die Literzahl beantwortet das nicht. Sie macht zunächst Eindruck. 7,5 Millionen Liter klingen nach so viel, dass man die Scheibe beinahe vergisst. Ob die Haltung den Bedürfnissen einer Tierart entspricht, lässt sich aber nicht am Fassungsvermögen allein ablesen. Ein Becken kann für uns riesig wirken. Wir müssen darin auch nicht leben.
Unser Interesse ist ohnehin leicht erklärt. Wir möchten Haie sehen. Möglichst aus der Nähe, möglichst trocken. Der Hai übernimmt den dauerhaften Aufenthalt.
Dafür braucht es aus Besuchersicht keine komplizierte Begründung. Es ist interessant, ein Tier zu beobachten, das man sonst kaum zu Gesicht bekommt. Nur klingt „Wir möchten Haie ansehen“ etwas bescheidener als „Wir schützen die Meere“.
Wer die Ausstellung von Tieren mit Artenschutz begründet, muss zeigen, welchen Nutzen sie für wild lebende Bestände hat. Die Begeisterung der Besucher reicht als Beleg nicht aus.
Eine Korallenstation beantwortet keine Frage nach der Herkunft eines Hais.
7,5 Millionen Liter sind eine beeindruckende Wassermenge. Das Meer endet trotzdem an der Scheibe.
Recherchegrundlage und Quellen
Grundlage dieser Kolumne sind die öffentlich zugänglichen Betreiberangaben von Ocean Berlin und die PETA-Mitteilung vom 13. August 2026. Das von PETA erwähnte Antwortschreiben des Betreibers wurde nicht selbst eingesehen.
Recherchestand: 6. Oktober 2026.
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