
Manche Menschen fahren einfach irgendwohin.
Sie bekommen eine Adresse, steigen ins Auto und vertrauen darauf, dass sich der Rest schon ergeben wird. Vielleicht gibt es einen Parkplatz. Vielleicht müssen sie dreimal um den Block fahren. Vielleicht parken sie am Ende seitlich in einer Lücke ein, die schon für ein Fahrrad ambitioniert wäre.
Sie haben ein bemerkenswertes Grundvertrauen.
Ich nicht.
Bevor ich irgendwohin fahre, möchte ich wissen, wie die Parkplatzlage ist. Nicht ungefähr. „Da findet man eigentlich immer etwas“ ist keine verlässliche Auskunft. Das sagen meist Menschen, die 800 Meter Fußweg noch als „direkt vor der Tür“ bezeichnen.
Ich brauche Fakten.
Gibt es einen eigenen Parkplatz? Ist er ausgeschildert? Wie breit ist er? Stehen dort bereits andere Autos? Und wenn ja: ordentlich oder nach persönlicher Auslegung der Markierungen?
Ein eigener Parkplatz direkt vor der Tür schafft Vertrauen.
Ein Parkhaus mit breiten Stellplätzen ist verhandelbar.
„Parkmöglichkeiten in der Nähe“ sind es nicht.
In der Nähe kann vieles bedeuten. Vor allem, dass die Person, die diese Formulierung gewählt hat, selbst nicht dort parkt.
Noch verdächtiger ist nur der Hinweis: „Komm einfach, da wird bestimmt etwas frei.“
Bestimmt.
Vielleicht zieht auch gerade jemand aus und überlässt mir seine Garage.
Wer so etwas sagt, besitzt jene seltene innere Ruhe, mit der man zwanzig Minuten im Kreis fährt, während der Termin längst läuft. Ich hingegen sehe mich nach der dritten Runde bereits dauerhaft in diesem Viertel gemeldet.
Deshalb beginnt ein Besuch bei mir nicht mit der Abfahrt, sondern mit der Recherche.
Adresse eingeben. Satellitenansicht öffnen. Zufahrt prüfen. Parkflächen zählen. Street View konsultieren. Das Bild ist möglicherweise sieben Jahre alt, aber immerhin stand dort damals ein Auto.
Das gibt Hoffnung.
Dann folgt die entscheidende Frage: Kann man dort vernünftig einparken?
Vernünftig bedeutet in diesem Fall: vorwärts.
Rückwärts einzuparken ist eine unnötige Eskalation. Seitliches Einparken eine öffentliche Veranstaltung ohne mich.
Denn kaum setzt man den Blinker, erscheinen sämtliche Cafébesucher, Anwohner und Menschen an Bushaltestellen als Sachverständige. Sie schauen nicht einmal besonders auffällig.
Das müssen sie auch nicht.
Man spürt es.
Mit jedem Rangierzug wird die Parklücke kleiner. Gleichzeitig wächst hinter einem eine Autoschlange, die das Manöver geschlossen als persönliche Provokation versteht.
Natürlich könnte man sagen, das sei Übungssache.
Das sagen meistens Menschen, die mit Anhänger rückwärts in eine Hofeinfahrt fahren und dabei noch telefonieren.
Ich kann vieles. Aber ich muss nicht jede Fähigkeit zwischen zwei parkenden SUVs und einem Blumenkübel unter Beweis stellen.
Darum entscheide ich gelegentlich schon anhand der Parkplatzsituation, ob ein Ort meine Anwesenheit verdient.
Restaurant mit eigenem Parkplatz? Vertrauenswürdig.
Innenstadttermin am Samstag? Gewagt.
„Kleine Seitenstraße, aber man findet schon etwas“? Wir können auch telefonieren.
Das mag unflexibel wirken. Für mich ist es vorausschauende Planung. Andere informieren sich vor einem Ausflug über Öffnungszeiten, Eintrittspreise oder die Speisekarte. Ich möchte lediglich ausschließen, dass der eigentliche Ausflug aus einer Rundfahrt durch ein Wohngebiet besteht.
Ich komme also wirklich gern.
Ich bin durchaus spontan. Vorausgesetzt, ich kenne vorher die genaue Adresse, die Zufahrt, die Parkplatzbreite und die Fluchtrichtung.
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