
Das Flugzeug ist gelandet.
Die Koffer kommen.
Für alle.
Und trotzdem entsteht innerhalb weniger Minuten ein Halbkreis aus Menschen, die offenbar überzeugt sind, ihr Gepäck reagiere auf emotionale Nähe.
Sichtlinien verschwinden.
Laufwege auch.
Als wäre die effizienteste Methode der Gepäckausgabe, möglichst vielen anderen die Sicht aufs Band zu nehmen.
Dabei gilt eine erstaunlich simple Regel:
Der Koffer kommt, wenn er kommt.
Nicht früher, weil man ihm mit entschlossener Körperhaltung begegnet.
Menschen, die eben noch entspannt im Flugzeugsitz saßen, verwandeln sich plötzlich in Wächter ihres Gepäcks.
Sie rücken vor.
Sie sichern Positionen.
Sie verteidigen Territorien, die ihnen weder gehören noch einen Vorteil verschaffen.
Dabei bleibt die Logik bemerkenswert unbeeindruckt.
Das Förderband kennt weder Entschlossenheit noch Ungeduld.
Es arbeitet stoisch weiter.
Koffer für Koffer.
Vielleicht ist das Kofferband deshalb weniger ein logistischer Vorgang.
Sondern ein bemerkenswert ehrlicher Ort.
Es zeigt, wie schwer uns Warten fällt.
Wie schnell aus Geduld Besitzstand wird.
Und wie hartnäckig wir an der Vorstellung festhalten, Präsenz sei dasselbe wie Einfluss.
Dabei bleibt die Wahrheit erstaunlich nüchtern:
Der Koffer kommt nicht schneller.
Nur der Puls.
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