Ich habe Fragen

Es gibt Menschen, die können aus einer WhatsApp-Nachricht mit einem Wort eine komplette Netflix-Serie entwickeln.

„Okay.“

Vier Buchstaben.

Für die einen eine Zustimmung.
Für die anderen der Beginn einer forensischen Untersuchung.

Dann geht es los.

Warum nur ein Wort?

Warum kein Emoji?

Warum kein Ausrufezeichen?

Warum wurde die Nachricht nach drei Minuten beantwortet und nicht nach zwei?

Und weshalb wirkt dieses „Okay“ plötzlich so passiv-aggressiv?

Ich habe Fragen.

Seit wann behandeln wir Kurznachrichten wie antike Schriften, die erst noch entschlüsselt werden müssen?

Manche Menschen lesen keine Nachrichten mehr. Sie führen Textanalysen durch.

Da werden Satzzeichen bewertet wie bei olympischen Wettkämpfen.

Ein Punkt bedeutet Distanz.

Drei Punkte bedeuten Unsicherheit.

Gar kein Punkt bedeutet offenbar emotionale Verwahrlosung.

„Er hat nur ‚Okay‘ geschrieben.“

Vielleicht war er gerade im Supermarkt.

Vielleicht stand er an der Kasse.

Vielleicht hatte er beide Hände voll.

Vielleicht meinte er aber auch einfach:

„Okay.“

Ich weiß. Gewagte Theorie.

Manchmal habe ich den Eindruck, wir verbringen mehr Zeit mit der Interpretation von Nachrichten als mit den Menschen, die sie geschrieben haben.

Aus einem Wort wird ein Rätsel.

Aus einem fehlenden Emoji eine Krise.

Und aus einer Antwort mit vier Buchstaben ein Fall für die Sonderkommission Kommunikation.

Vielleicht wäre das Leben deutlich entspannter, wenn wir gelegentlich davon ausgehen würden, dass ein „Okay“ einfach nur ein „Okay“ ist.

Andererseits:

Worüber sollten wir dann noch drei Stunden mit unseren Freunden diskutieren?


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