
Sprachnachrichten beginnen häufig mit einer Entschuldigung.
„Sorry für die lange Nachricht.“
Das ist bemerkenswert.
Denn niemand hat sie dazu gezwungen.
Es existiert keine Geiselnahme.
Keine technische Störung.
Kein Gesetz, das Menschen daran hindert,
einen Gedanken zu Ende zu denken,
bevor sie auf Aufnahme drücken.
Und trotzdem beginnt die Nachricht mit Reue.
Nicht genug Reue allerdings,
um die Nachricht kürzer zu machen.
Im Gegenteil.
Die Entschuldigung ist meist nur das Vorwort.
Danach folgen weitere Nachrichten.
Menschen entwickeln dabei eine erstaunliche Logik.
Sie erkennen,
dass ihre erste Nachricht zu lang war,
und reagieren darauf,
indem sie noch vier weitere aufnehmen.
Das ist ungefähr so,
als würde jemand feststellen,
dass ein Koffer zu schwer ist,
und zur Entlastung einen zweiten dazustellen.
Besonders faszinierend sind Nachrichten,
die mit den Worten beginnen:
„Ganz kurz.“
Diese Formulierung hat sich inzwischen vollständig von der Realität gelöst.
„Ganz kurz“ bedeutet heute,
dass man sich besser setzt,
etwas zu trinken holt
und die nächsten Minuten keine weiteren Termine plant.
Irgendwann tauchen Nebenhandlungen auf.
Menschen werden erwähnt,
die man nicht kennt.
Ereignisse,
die mit dem ursprünglichen Thema nichts mehr zu tun haben.
Und plötzlich befindet man sich mitten im dritten Kapitel einer Geschichte,
deren Anfang längst vergessen wurde.
Vielleicht ist die Sprachnachricht deshalb gar kein Kommunikationsmittel.
Vielleicht ist sie ein Podcast.
Mit nur einem Abonnenten.
Der unfreiwillig angemeldet wurde.
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