Menschen, die im Flugzeug sofort aufstehen, sobald die Räder den Boden berühren

Wohin wollt ihr?


Das Flugzeug rollt noch.

Die Tür ist geschlossen.

Wir sitzen alle noch exakt dort, wo wir vor zehn Sekunden auch saßen.

Und trotzdem stehen die Ersten bereits im Gang.

Nicht wenige.

Immer dieselben.

Menschen, die offenbar überzeugt sind, dass Sitzenbleiben wertvolle Lebenszeit kostet.

Die nächsten acht Minuten verbringen sie dann leicht gekrümmt zwischen Sitzreihe 14 und 15.

Mit dem Kopf in einem Gepäckfach.

Aber immerhin im Stehen.

Vielleicht geht es gar nicht ums Aussteigen.

Denn die Tür bleibt geschlossen.

Für alle.

Und trotzdem fühlt es sich offenbar produktiver an, im Gang zu stehen, als auf dem Sitz zu warten.

Das Faszinierende daran ist, dass sich dieses Verhalten erstaunlich zuverlässig fortsetzt.

Am Kofferband zum Beispiel.

Kaum setzt sich das Förderband in Bewegung, rücken alle einen Schritt näher.

Dann noch einen.

Und noch einen.

Menschen stehen direkt an der Kante, als ließe sich Gepäck durch körperliche Nähe beschleunigen.

Dabei hat vermutlich noch nie ein Koffer gedacht:

„Oh, da wartet schon jemand. Dann beeile ich mich besser.“

Später passiert dasselbe am Gate.

Das Boarding für Gruppe eins beginnt.

Gruppe vier steht vorsorglich schon daneben.

Nicht, weil sie früher ins Flugzeug darf.

Sondern weil Warten offenbar angenehmer wird, wenn man dabei steht.

Menschen verbringen zehn Minuten im Flugzeuggang.

Fünfzehn Minuten am Kofferband.

Zwanzig Minuten vor einem Gate.

Niemand kommt dadurch früher an.

Aber offenbar ist Warten leichter zu ertragen, wenn man dabei im Weg steht.

Vielleicht geht es im Flugzeug also gar nicht ums Aussteigen.

Vielleicht geht es nur darum, nicht der Letzte zu sein, der noch sitzt.

Der Mensch ist erstaunlich geduldig. Solange er dabei stehen darf.


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