Am ersten Tag kennt man niemanden.
Am dritten Tag weiß man, wer vor dem Frühstück schwimmt.
Wer grundsätzlich zwei Teller braucht.
Und wer jeden Abend zehn Minuten zu spät kommt und dabei aussieht, als wäre das Absicht.
Es gibt Menschen, die jeden Morgen dieselbe Liege benutzen.
Woher sie wissen, dass es ihre Liege ist, bleibt unklar.
Dass es ihre Liege ist, scheint dagegen außer Frage zu stehen.
Um halb acht liegen Handtücher am Pool.
Um neun noch mehr.
Um zehn sind fast alle Liegen reserviert.
Die dazugehörigen Menschen werden gegen Mittag erwartet.
Offenbar handelt es sich um ein Vertrauensmodell.
Der Mann vom Nachbartisch erklärt täglich, dass er normalerweise keinen Urlaub dieser Art macht.
Heute hält er den Vortrag zum sechsten Mal.
Die Resonanz bleibt hinter den Erwartungen zurück.
Am Buffet bilden sich ebenfalls Gewohnheiten.
Manche Menschen umrunden es zunächst vollständig.
Andere greifen zu, als hätten sie die Lage bereits gestern ausgewertet.
Wieder andere stehen jeden Morgen vor denselben Schüsseln und wirken überrascht, sie dort anzutreffen.
Am fünften Tag sitzen dieselben Menschen wieder am selben Tisch.
Zufall wirkt inzwischen unwahrscheinlich.
Niemand hat Plätze vergeben.
Trotzdem scheint allen klar zu sein, welche Tische noch frei sind und welche nicht.
Man kennt inzwischen die Frau mit den Krimis.
Das Paar mit den identischen Trinkflaschen.
Den Mann, der morgens vor allen anderen am Buffet steht.
Ihre Gewohnheiten sind vertraut.
Ihre Namen weiterhin nicht.
Abends werden Empfehlungen ausgetauscht.
Zum Strand.
Zu Restaurants.
Zu Ausflügen.
Die Sicherheit, mit der diese Empfehlungen vorgetragen werden, steht gelegentlich in einem interessanten Verhältnis zur Aufenthaltsdauer der Empfehlenden.
Irgendwann ertappt man sich dabei, auf Dinge zu achten, die einen nichts angehen.
Wer heute nicht auf seiner üblichen Liege liegt.
Wer plötzlich mit anderen Leuten zu Abend isst.
Und wer erstaunlich schlechte Chancen hat, noch einen Platz auf der Terrasse zu bekommen.
Spätestens dann gilt man nicht mehr als unabhängige Beobachterin.
Man reist als Erwachsene an.
Das Datenmaterial bleibt uneindeutig.
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