Das hält das aus

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Pferde leben schließlich auch in der Steppe.

Mit diesem Argument lässt sich erstaunlich viel rechtfertigen. Irgendwo auf der Welt lebt ein Tier unter schwierigen Bedingungen – und schon gilt als bewiesen, dass es diese auch mit Sattel, Reiter und sportlichem Ehrgeiz problemlos bewältigt.

Das Pferd steht bei 30 Grad freiwillig auf der Weide. Also kann es bei 40 Grad auch ein Turnier bestreiten.

Menschen liegen ebenfalls gern am Strand. Trotzdem würde daraus kaum jemand ihre besondere Eignung für einen Marathon in der Mittagssonne ableiten.

Zwischen Herumstehen und Höchstleistung liegt offenbar nur dann ein Unterschied, wenn der Mensch selbst laufen soll.

Pferde dagegen können das ab. Sie leben schließlich in der Wüste, in der Steppe und in Regionen, in denen es nachts bitterkalt wird. Das genügt vielen bereits als tiermedizinischer Befund.

Nur ist ein Tier nicht deshalb unempfindlich, weil seine Art sich unterschiedlichen Bedingungen anpassen kann. Und ein Pferd, das Hitze erträgt, muss sie unter Belastung noch lange nicht angenehm finden.

Die Rechnung ist recht einfach: Bewegung erzeugt Wärme. Hitze erschwert ihre Abgabe. Ein Reiter macht das Pferd nicht leichter. Und sportlicher Ehrgeiz senkt keine Körpertemperatur.

Aber Turniere würden schließlich nicht stattfinden, wenn die Tiere darunter litten.

Ein beruhigender Gedanke. Er setzt lediglich voraus, dass wirtschaftliche Interessen, Traditionen und menschlicher Ehrgeiz zuverlässig dort enden, wo tierisches Unbehagen beginnt.

Die Geschichte der Tiernutzung spricht nicht durchgehend dafür.

Natürlich gibt es Vorschriften, tierärztliche Kontrollen und Menschen, die genau hinsehen. Das kann Risiken begrenzen. Es macht aus einer Belastung aber noch kein Vergnügen.

Merkwürdig ist ohnehin schon die Frage, was ein Tier „aushält“. Denn dabei geht es selten darum, was das Tier braucht. Es geht darum, wie weit der Mensch gehen kann.

Solange das Pferd nicht zusammenbricht, gilt seine Belastbarkeit als bewiesen. Dass es weiterläuft, wird zur Zustimmung. Und weil es sich hinterher nicht selbst äußern kann, übernimmt der Mensch freundlicherweise auch noch die Einordnung.

Das Pferd hält das aus. Ein erstaunlich praktischer Satz.

Vor allem für den, der oben sitzt.


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