
Haltung ist eine feine Sache. Vor allem, solange sie nichts kostet.
Man ist für Tierwohl. Für Klimaschutz. Für Pressefreiheit. Für Zivilcourage. Gegen Ausbeutung, Hetze und schlechte Zustände sowieso. Das lässt sich leicht sagen.
Interessanter wird es, wenn die eigene Überzeugung plötzlich an der Kasse steht. Wenn das bessere Produkt mehr kostet. Wenn Klimaschutz bedeutet, auf etwas zu verzichten, das man eigentlich ganz gern behalten würde. Wenn Zivilcourage nicht darin besteht, einen Beitrag zu teilen, sondern den Mund aufzumachen, obwohl am Tisch gerade niemand Lust darauf hat.
Und Pressefreiheit ist offenbar auch leichter zu mögen, solange Journalisten genau das schreiben, was man selbst ohnehin denkt.
Das Problem mit Haltung ist: Irgendwann will sie etwas von einem.
Das ist lästig.
Meinungen sind da angenehmer. Die kann man äußern, ändern, löschen und bei Bedarf mit einem passenden Hashtag versehen.
Haltung wird meistens erst dann interessant, wenn es unbequem wird. Wenn Zustimmung fehlt. Wenn Widerspruch droht. Wenn etwas Zeit, Geld oder ein bisschen Sympathie kostet.
Deshalb lässt sich Haltung auch wunderbar einfordern.
Bei anderen.
Der Supermarkt soll nachhaltiger werden. Die Politik mutiger. Unternehmen verantwortungsvoller. Journalisten unabhängiger.
Nur der eigene Alltag möchte von all dem möglichst verschont bleiben.
Vielleicht beginnt Haltung deshalb tatsächlich dort, wo Bequemlichkeit endet.
Nicht bei dem, was man sagt.
Sondern bei dem, was man trotzdem tut.
Auch wenn keiner klatscht.
— Melanie Voigt
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