Das intelligente Tier

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Bei manchen Tieren reicht Leiden offenbar nicht. Sie müssen zusätzlich noch etwas können.

Delfine kommunizieren komplex. Krähen lösen Probleme. Oktopusse überraschen mit erstaunlichen Fähigkeiten. Auch Schweine zeigen ausgeprägte Lern- und Problemlösefähigkeiten.

Und dann verändert sich plötzlich der Ton.

„Die sind viel intelligenter, als man denkt.“

Als wäre das die entscheidende Nachricht. Als müsste ein Tier erst beweisen, dass es uns geistig nah genug ist, bevor wir sein Leiden ernst nehmen.

Natürlich verändert Wissen unseren Blick. Wer weiß, dass Tiere lernen, erinnern, Beziehungen aufbauen oder Probleme lösen können, sieht sie möglicherweise anders.

Aber warum sollte Intelligenz überhaupt eine Voraussetzung für Mitgefühl sein?

Ein Tier leidet nicht weniger, nur weil es keinen Spiegeltest besteht.

Eine Kuh muss keine Aufgabe lösen. Ein Huhn kein Werkzeug benutzen. Ein Fisch niemanden beeindrucken.

Und trotzdem schenken wir besonders den Tieren Aufmerksamkeit, die Eigenschaften zeigen, die wir selbst hoch bewerten.

Klug. Sozial. Neugierig.

Vielleicht liegt genau darin das Problem.

Wir nehmen Tiere ernster, wenn wir etwas von uns in ihnen erkennen.

Nur müsste die eigentliche Frage viel einfacher sein:

Muss ein Tier wirklich klug sein, damit sein Leiden zählt?

— Melanie Voigt


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