Frühstück ab 7. – Konkurrenzverhalten ab 6:52.

Frühstück beginnt offiziell um sieben Uhr.

Die ersten strategischen Vorbereitungen allerdings deutlich früher.

Um 6:52 Uhr bewegen sich bereits Menschen durch die Hotelanlage mit einer Zielstrebigkeit, die man sonst eher von Börsenhändlern kurz vor Markteröffnung kennt.

Tische werden markiert.

Buffets observiert.

Laufwege optimiert.

Einige Gäste halten bereits Kaffeetassen in der Hand, obwohl die Kaffeemaschine noch nicht vollständig betriebsbereit wirkt.

Andere positionieren sich unauffällig in Sichtweite des Eingangs.

Als hinge das persönliche Urlaubsglück davon ab, drei Minuten früher Zugriff auf Rührei, Croissants und frische Wassermelone zu erhalten.

Dabei sprechen wir nicht über eine Krisensituation.

Niemand muss Vorräte anlegen.

Niemand wird verhungern.

Das Buffet ist reichlich gefüllt.

Und dennoch entsteht jedes Mal eine bemerkenswerte Dynamik.

Vielleicht weil Menschen selbst im Überfluss nicht ganz auf Konkurrenz verzichten können.

Vielleicht weil Verfügbarkeit allein kein Gefühl von Sicherheit erzeugt.

Oder weil wir tief im Inneren überzeugt sind, dass das beste Croissant immer genau das ist, das der andere zuerst bekommt.

Das Hotelbuffet ist deshalb weniger ein gastronomisches Angebot.

Es ist eine tägliche Feldstudie.

Über Konkurrenzverhalten.

Über Kontrollbedürfnis.

Über die stille Angst, etwas zu verpassen.

Und über die bemerkenswerte menschliche Fähigkeit, selbst aus maximaler Verfügbarkeit ein Gefühl von Knappheit zu erzeugen.

Nicht immer fehlt es an Essen.

Manchmal an Gelassenheit.


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