
Neulich hörte ich einen Satz, der mich immer wieder fasziniert.
„Ich bin für alles offen.“
Er fiel keine drei Minuten, bevor der erste Vorschlag kategorisch abgelehnt wurde.
Nicht, weil er schlecht gewesen wäre.
Sondern weil er neu war.
Es ist erstaunlich, wie viele Menschen Offenheit mit der Bereitschaft verwechseln, anderen beim Nachdenken zuzusehen.
Solange sie selbst nichts daran ändern müssen.
Ich mag Diskussionen.
Nicht wegen des Rechthabens.
Sondern wegen dieses seltenen Moments, in dem jemand innehält und sagt:
„Darüber habe ich noch nie so nachgedacht.“
Er fällt deutlich seltener als:
„Ja, aber …“
Der Satz klingt harmlos.
Ist er aber nicht.
Er ist die höfliche Art zu sagen:
„Ich habe dir zwar zugehört, aber innerlich war ich schon mit meiner Antwort beschäftigt.“
Man erkennt diese Menschen übrigens nicht daran, dass sie eine Meinung haben.
Die haben wir alle.
Man erkennt sie daran, wie liebevoll sie diese pflegen.
Manche gießen Zimmerpflanzen.
Andere ihre Überzeugungen.
Täglich.
Mit großer Hingabe.
Es gibt Menschen, die fragen nach einer Empfehlung.
Nicht, weil sie eine hören möchten.
Sondern weil sie jemanden brauchen, dem sie anschließend erklären können, warum das für sie nicht funktioniert.
„Welches Restaurant kannst du empfehlen?“
„Das kenne ich.“
„Da war ich schon.“
„Da gibt es nie Parkplätze.“
Nach dem dritten Einwand fragt man sich, warum sie überhaupt gefragt haben.
Vielleicht aus Höflichkeit.
Vielleicht aus Gewohnheit.
Vielleicht auch nur, um sich am Ende selbst recht zu geben.
Ähnlich läuft es in Besprechungen.
„Hat jemand eine Idee?“
Der Satz klingt jedes Mal nach Aufbruch.
Meistens endet er damit, dass die alte Idee noch einmal beschlossen wird.
Neue Gedanken haben es schwer.
Nicht, weil sie falsch sind.
Sondern weil sie den alten im Weg stehen.
Vielleicht werden Meinungen genau deshalb mit den Jahren immer fester.
Nicht, weil sie besser geworden sind.
Sondern weil sich niemand mehr die Mühe macht, sie anzufassen.
Wie ein Schrank im Keller.
Man weiß, dass er da ist.
Man braucht ihn nie.
Aber wegwerfen möchte man ihn auch nicht.
Ich finde Menschen sympathisch, die mitten im Gespräch sagen:
„Stimmt. So habe ich das noch gar nicht gesehen.“
Nicht, weil sie ihre Meinung geändert haben.
Sondern weil sie offenbar zugehört haben.
Wer seine Meinung nie ändert, hat entweder außergewöhnlich früh alles verstanden – oder außergewöhnlich früh aufgehört zuzuhören.
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